Kritischer Ratgeber zur Triggerpunkttherapie – Schmerzen lösen durch Triggerpunkte?

Um Träger zu setzen werden die Faszien in der Regel mit Finger oder einem Stab getriggert. Der Ellenbogen kannn aber auch bei dickeren Muskelgruppen verwendet werden.

Was ist Triggerpunkttherapie?

Die Triggerpunkttherapie ist eine manuelle Behandlungsmethode, die darauf abzielt, myofasziale Triggerpunkte (MTrPs) zu behandeln. Diese Triggerpunkte sind lokale Bereiche von Muskelverhärtungen, die oft schmerzhaft sind und Schmerzen in andere Körperregionen ausstrahlen können. Die Triggerpunkt Therapie wird zur Behandlung von Muskelknoten oder -verhärtungen angewendet, die Schmerzen und andere Symptome verursachen können. Sie werden häufig durch übermäßige Muskelbelastung, Fehlhaltungen oder Verletzungen verursacht.

 

 

Theorie hinter der Triggerpunkttherapie

Die Theorie besagt, dass durch gezielten Druck auf diese Triggerpunkte eine Entspannung der verhärteten Muskelfasern erreicht wird, was zu einer Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit führen soll. Diese Technik kann manuell durch Physiotherapeuten oder mittels spezieller Werkzeuge wie Triggerpunktstäbe oder Bälle durchgeführt werden.

Erwartete Effekte

Die Triggerpunkttherapie soll verschiedene positive Effekte haben, darunter:

  • Schmerzlinderung: Verringerung von Schmerzen in den betroffenen Muskelbereichen und den ausstrahlenden Schmerzgebieten. Schmerzpunkte, die als unangenehme Schmerzen im Rücken, in der Schulter oder im Nacken auftreten und sich als knotige Knötchen manifestieren, können durch manuelle Druckanwendung gelöst werden.

  • Verbesserung der Beweglichkeit: Erhöhung der Flexibilität und Bewegungsfreiheit durch Entspannung der verhärteten Muskelfasern.

  • Reduktion von Muskelverspannungen: Lösen von Muskelverhärtungen und Vermeidung von zukünftigen Muskelverspannungen.

  • Verbesserung der Muskelkraft und -koordination: Durch die Entspannung der Muskeln soll auch die Muskelkraft und -koordination verbessert werden.

Dry Needling gehört auch zur Triggerpunkttherapie und versucht durch Akupunktur Schmerzen in den Griff zu bekommen.

Dry Needling gehört auch zur Triggerpunkttherapie und versucht durch Akupunktur Schmerzen in den Griff zu bekommen.

 

Kritische Punkte der Triggerpunkttherapie

Wissenschaftliche Evidenz:

Die wissenschaftliche Unterstützung für die Wirksamkeit der Triggerpunkttherapie ist begrenzt und teilweise widersprüchlich. Viele Studien weisen methodische Mängel auf, wie kleine Stichproben oder fehlende Kontrollgruppen. Eine systematische Überprüfung zeigte, dass die meisten Studien zur Triggerpunkttherapie von geringer Qualität sind und keine signifikanten Beweise für deren Wirksamkeit liefern.

Diagnosegenauigkeit:

Die Identifikation von Triggerpunkten ist subjektiv und variiert stark zwischen Therapeuten. Studien haben gezeigt, dass die diagnostische Zuverlässigkeit der Triggerpunktpalpation gering ist. Unterschiedliche Therapeuten identifizieren oft verschiedene Triggerpunkte bei denselben Patienten, was die Genauigkeit und Konsistenz der Diagnose in Frage stellt.

Triggerpunkttherapie soll bei der Schmerzproblematik des Patienten helfen, in dem beim Schmerzsystem einer Überlastung hervorgerufen wird, wodurch der eigentliche Schmerz nicht mehr so schlimm ist.

Triggerpunkttherapie soll bei der Schmerzproblematik des Patienten helfen, in dem beim Schmerzsystem einer Überlastung hervorgerufen wird, wodurch der eigentliche Schmerz nicht mehr so schlimm ist.

Mechanische Wirksamkeit:

Die mechanischen Effekte der Triggerpunkttherapie sind umstritten. Es gibt Zweifel daran, ob die manuelle Behandlung tatsächlich die strukturellen Veränderungen im Muskelgewebe herbeiführt, die zur Schmerzlinderung führen sollen. Einige Experten argumentieren, dass die beobachteten Effekte eher auf neurophysiologischen Veränderungen beruhen, wie der Aktivierung des körpereigenen Schmerzhemmungssystems, als auf tatsächlichen mechanischen Veränderungen im Muskelgewebe. Im Vergleich dazu wird die Akupunktur, insbesondere die Triggerpunkt-Akupunktur, als gezielte Behandlungsmethode bei spezifischen Beschwerden wie Muskelverspannungen, Piriformis-Syndrom, Tennisarm, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen eingesetzt.

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Placeboeffekt:

Ein signifikanter Anteil der beobachteten Effekte könnte auf den Placeboeffekt zurückzuführen sein. Positive Erwartungen des Patienten spielen eine große Rolle in der wahrgenommenen Wirksamkeit der Therapie. Studien haben gezeigt, dass Patienten, die an die Wirksamkeit der Triggerpunkttherapie glauben, eher eine Schmerzlinderung erfahren, unabhängig von der tatsächlichen mechanischen Wirkung der Behandlung.

In der Physiotherapie werden bei passiven Behandlungen (Manuelle Therapie) gerne Triggerpunkte bearbeitet. Dadurch kann man eine kurzfristige Verbesserung des Bewegungsapparates erreichen.

In der Physiotherapie werden bei passiven Behandlungen (Manuelle Therapie) gerne Triggerpunkte bearbeitet. Dadurch kann man eine kurzfristige Verbesserung des Bewegungsapparates erreichen.

 

Vergleich mit Krafttraining

Effekte von Krafttraining auf die Muskulatur und das Nervensystem

Krafttraining hat eine gut dokumentierte und durch umfangreiche Forschung unterstützte Wirkung auf die Muskels und das Nervensystem. Zu den positiven Effekten gehören:

Muskelhypertrophie:

Definition: Zunahme der Muskelmasse und -kraft durch mechanische Belastung und anschließende Muskelanpassung.

Mechanismus: Durch wiederholte Belastung während des Trainings entstehen mikroskopische Risse in den Muskelzellen. Diese Risse führen zu einer Reparatur- und Wachstumsreaktion, die die Muskelzellen größer und stärker macht.

Mit einer Faszienrolle kann man eine Selbstbehandlung durchführen und versuchen die verschiedenen schmerzhaften Stellen zu behandeln.

Mit einer Faszienrolle kann man eine Selbstbehandlung durchführen und versuchen die verschiedenen schmerzhaften Stellen zu behandeln.

Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle:

Definition: Erhöhung der Effizienz der neuronalen Ansteuerung der Muskeln, was zu besserer Koordination und Kraftentwicklung führt.

Mechanismus: Regelmäßiges Training verbessert die Verbindung zwischen Gehirn und Muskeln, was zu präziseren und stärkeren Muskelkontraktionen führt.

Schmerzlinderung bei Schmerzen:

Definition: Reduktion chronischer Schmerzen durch Verbesserung der muskulären Unterstützung der Gelenke und entzündungshemmende Prozesse im Körper.

Mechanismus: Krafttraining fördert die Freisetzung von Endorphinen, natürlichen Schmerzmitteln des Körpers, und kann entzündliche Prozesse im Gewebe reduzieren.

Langfristige Anpassungen:

Definition: Nachhaltige physiologische Veränderungen und Anpassungen im Muskel- und Nervensystem.

Mechanismus: Regelmäßiges Training führt zu dauerhaften Veränderungen in der Muskelstruktur und Funktion, einschließlich erhöhter Muskelmasse, verbesserter Durchblutung und gesteigerter neuromuskulärer Effizienz.

Um den richtigen Trigger zu finden, muss der Therapeut tief in die Muskulatur arbeiten. Der Auslöser für solche Beschwerden und Funktionsstörungen können bei Überbelastungen und Fehlhaltungen entstehen.

Um den richtigen Trigger zu finden, muss der Therapeut tief in die Muskulatur arbeiten. Der Auslöser für solche Beschwerden und Funktionsstörungen können bei Überbelastungen und Fehlhaltungen entstehen.

 

Vergleich der beiden Ansätze

Nachhaltigkeit:

Krafttraining bietet langfristige Vorteile durch dauerhafte muskuläre Anpassungen, während die Triggerpunkttherapie oft nur kurzfristige Schmerzlinderung bietet. Krafttraining führt zu einer nachhaltigen Verbesserung der Muskelkraft und -funktion, die durch regelmäßiges Training aufrechterhalten werden kann. Die Triggerpunktmassage, eine Form der manuellen Therapie, kann muskuläre Triggerpunkte finden und behandeln, was zur Reduktion von Schmerzen und Verspannungen beiträgt.

Wissenschaftliche Unterstützung:

Die Wirksamkeit von Krafttraining ist durch zahlreiche qualitativ hochwertige Studien belegt, während die Evidenzbasis für die Triggerpunkttherapie schwach und inkonsistent ist. Krafttraining wird in vielen Leitlinien zur Behandlung von Muskel- und Gelenkschmerzen empfohlen, während die Triggerpunkttherapie oft nur als ergänzende Maßnahme betrachtet wird.

Mechanismus der Wirkung:

Krafttraining führt zu nachweisbaren physiologischen Veränderungen wie Muskelhypertrophie und verbesserter neuromuskulärer Kontrolle. Die genauen Mechanismen der Triggerpunkttherapie bleiben hingegen weitgehend spekulativ und nicht gut verstanden. Während Krafttraining durch mechanische Belastung physiologische Anpassungen hervorruft, scheinen die Effekte der Triggerpunkttherapie eher neurophysiologisch und psychologisch bedingt zu sein.

Ziel der Triggerpunkttherapie ist es, Schmerzfreiheit zu erlangen. Dies kann aber auch durch ein gut koordiniertes Krafttraining erfolgen.

Ziel der Triggerpunkttherapie ist es, Schmerzfreiheit zu erlangen. Dies kann aber auch durch ein gut koordiniertes Krafttraining erfolgen.

Patientenbeteiligung:

Krafttraining fördert die aktive Beteiligung des Patienten an seiner eigenen Genesung und Gesundheitserhaltung, während die Triggerpunkttherapie eher eine passive Behandlungsmethode darstellt. Durch aktives Training erlangt der Patient mehr Kontrolle über seine Gesundheit und kann selbständig zur Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung beitragen.

 

Fazit

Die Triggerpunkttherapie kann kurzfristig Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern, doch die wissenschaftliche Evidenz für ihre langfristige Wirksamkeit und die genauen Wirkmechanismen ist begrenzt und umstritten. Im Vergleich dazu bietet Krafttraining durch gut dokumentierte physiologische Anpassungen eine nachhaltigere und besser unterstützte Methode zur Verbesserung der muskulären und neuromuskulären Gesundheit. Es ist daher ratsam, Krafttraining als Hauptansatz zur Behandlung und Prävention muskulärer Probleme in Betracht zu ziehen und die Triggerpunkttherapie nur ergänzend zu verwenden.

Die verschiedenen Triggerpunkte können in ihrer Intensität durch mehr Druck oder das Einsetzen von Material beeinflusst werden.

Die verschiedenen Triggerpunkte können in ihrer Intensität durch mehr Druck oder das Einsetzen von Material beeinflusst werden.